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, setzen!

Unter dem Schlachtruf Noten abschaffen, Schule demokratisieren ruft die Linke Schülerinnen Aktion (LiSA) heute zum x-ten Mal zur Zeugnisverbrennung auf.

Klare Botschaft: Wo die Leistungen langsam aber sicher in den Keller gehen, schaffen wir die Bewertungen einfach ab – Problem gelöst. Als kleiner Nebeneffekt steigt die Motivation er Schüler ins Unermessliche.

Diese Bewertungen entscheiden, wer später in welchen Bereichen der Gesellschaft eine Chance bekommt und wer nicht. Bei der Bewerbung um einen Ausbildungs- oder Studienplatz entscheiden Schulabschluss und Notendurchschnitt. [..] Die Schule hat die brutale Aufgabe die Lebenschancen vorzusortieren.

Dass die Schüler mit Abschaffung der Noten eher suboptimal aufs spätere Leben vorbereitet werden, steht außer Frage. Wer sich nicht vergleichen lässt, fällt automatisch durch’s Raster auf die Nase. Und das Ziel, die Gesellschaft verändern zu wollen, mag zwar erstrebenswert sein, aber nicht durchsetzbar: Ein paar Hanseln gegen eine geschätzte Milliarde aus der Leistungsgesellschaft – da ist einfach nichts zu holen.

Geld von Oma zu den Sommerferien würde es dann auch nicht mehr geben, weil sie meist ja vorher das Zeugnis sehen will. Und der öffentliche Dienst müsste sich wieder Regelungen einfallen lassen, um die Lehrer nicht mit weniger Wochenstunden dastehen zu lassen, die vorher durch das Schreiben der Bewertungen verplempert wurden. Also nur Probleme!

Am interessantesten ist allerdings die These der Initiatorin, dass durch Noten die Lernmotivation genommen wird. Entfernt man die Noten aus der Gleichung, steigt die Motivation. Soweit die Theorie. In der Praxis wird das Nicht-Bewerten von Arbeiten eher zum Gegenteil ausarten: Gute Schüler heben sich nicht mehr ab oder wissen schlimmstenfalls gar nicht, dass sie gut sind. Andere Schüler hingegen können auch ohne Noten nur schwer motiviert werden, weil sie schlicht und einfach keinen Bock haben. – Als Folge sinkt die Motivation guter Schüler, und die Erfolgsformel kehrt sich ins Gegenteil.

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  • Martin 23. Juni 2004, 17:09

    Schon mal was von Waldorfschulen gehört? Sind die jetzt alle automatisch schlechter als der normal benotete Durchschnittsschüler?

    Vielleicht sollte man nicht Noten mit Beurteilung verwechseln. Eine eingehende Beurteilung würde einem Schüler sicherlich mehr nützen als eine harte Note. Aber das hieße ja, der Lehrer müsste sich mit dem Schüler auseinandersetzen. Da ist Noten vergeben doch schon wesentlich einfacher und effizienter.

    Hmm. Note… 3.

    Geht doch viel schneller als: “Der Schüler zeigte während der Stunden…”

    Fazit: Noten haben Vor- und Nachteile, doch ein Allheilmittel sind sie garantiert nicht. Denn Ihnen fehlt Motivation, Zuspruch und Trost.

  • Martin 23. Juni 2004, 17:10

    Ich hab da was vergessen:

    http://www.waldorfschule.info/

  • André Wendt 23. Juni 2004, 23:09

    Waldorfschulen sind ein schönes Stichwort: Ja, Schüler von dort sind im Durchschnitt schlechter. Beispiel gefällig? Wenn in einer 9. Klasse eine Waldorfschülerin es nicht schafft, einen Satz von der Tafel fehlerfrei abzuschreiben, dann nützt ihr überhaupt nichts, wenn die mündliche Bewertung besagt: “Dafür hat sie ganz tolle Puppenkleider geschneidert.” Dieser Fall ist tatsächlich wahr! (LiSA lehnt übrigens die Waldorf-Pädagogik ab.)

    Ich war es außerdem nicht, der Noten und Beurteilung in einen Topf geworfen hat. Das war eine Idee der LiSA: Nach Meinung der Initiatorin sollte es überhaupt keine Bewertung in Schulen mehr geben, also weder verbal noch durch Noten.

    Und sicherlich sind Noten nicht unbedingt gerecht, weil sie nur einen Teil der Wahrheit widerspiegeln. Aber: Später wird jeder in Schubladen gesteckt und irgendwo ungerecht bewertet. Als Vorbereitung fürs Leben kann das nur gut sein, sich früh daran zu gewöhnen.

  • Martin 23. Juni 2004, 23:22

    Vielleicht sollte man auch sagen: Geh durch die Straße (Bsp Neukölln, kein Vorwurf an alle Neuköllner) und frag mal wer da in der Lage ist in der Neunten einen Satz korrekt von der Tafel abzuschreiben. Jaja, da kommt dann wieder das Argument von wegen sozial schwach und pi pa po… ABER Bildung sollte ganzheitlich sein und die Waldorfpädagogik ist ein Ansatz.

    Und wenn man was ändern will, wo fängt man bei einem Kreis da an, ohne am Ende wieder am Anfang anzukommen? Also irgendwo muss man doch ansetzen und Noten sollen bitte bleiben, doch meine Forderung ist eher, dass sich die Lehrer mit ihrer Bewertung auseinandersetzen.

  • SCHAPPY 24. Juni 2004, 01:36

    Nun gut, ich sehe mich auch genötigt hier meinen Senf dazuzugeben. Grund hierfür ist u.a. die Tatsache, dass vor geraumer Zeit die Bewertung von Schülerleistungen anhand von normativen, dennoch subjektiven, Noten aus den ersten Schuljahren verbannt wurde. Dies hat zum einen den Vorteil, dass der böse Schulschock für die so gehegten und gepflegten ABC-Schützen (hier nicht allzu wörtlich, gell!) nicht allzu groß wird, zum anderen wird jedoch auch der erste Grundstein für ein versagendes Schulsystem gelegt. Fakt ist, dass sich min. die Hälfte aller Zeugnisempfänger vor dem ersten Zeugnis mehr oder weniger fürchten, denn sie kennen es ja schließlich nicht anders. Und damit wird das ganze nur einige Zeit nach hinten verschoben, damit man sich auch gar keine Sorgen machen muss, auf dass es gar keine Probleme im Schulleben gibt. Und wenn dann die ersten zwei, drei Zeugnisse nicht berauschend gut sind, wird das mit der ungewohnten Situation abgetan, auf das es Hänschen nie lernt, damit umzugehen, sich auf den Hosenboden zu setzen und zu lernen. Der Arbeitsmarkt freut sich auf all die kommenden gut ausgebildeten Fachkräfte, die uns da vor der Tür stehen. Und dann gibt es auch noch Gruppierungen, die rückwärts gelesen Asil (Legasthenie lässt grüßen) ergeben und propagieren dieses unsoziale Verhalten als gut und ausbaufähig. Nun gut, ich meine, was haben die Zeugnisse (& objektiven *räusper*) Beurteilungen uns geschadet?

    PS.: Martin, Asche auf Dein Haupt!

  • kris 6. September 2004, 12:24

    Kuck mal!

    Kuck mal, Hase in meinem Wohnzimmer, http://www.arcor.de/palb/alben/99/897899/400_6432383033643264.jpg sieht fast genauso aus, wie Hasi in Mecklenburg…