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Montag ist nicht mehr Schontag

Sie sind wieder da. Wir haben einen Anlass, auf die Straße zu gehen, und einen passenden Namen: Montagsdemonstrationen. Gegen Hartz IV. Sie wissen schon, Arbeitslosen-, Sozialhilfe und Zusammenlegung und so. Den ganzen Quatsch vom Clement, den keiner braucht. Naja, zumindest die Zusammenlegung. Denn das ist wie mit den zwei Geräten: Schraubt man alle Komponenten zu einem zusammen, bleiben Teile übrig, und alles wundert sich später, warum nix funktioniert, aber die übrigen Einzelteile sind schon woanders verbaut.

Zurück zu unseren Demos: Die Gemeinsamkeiten zu 1989 sind ja auch unverkennbar: Damals ging es uns schlecht, und heute auch. Wie 1989 fühlen wir uns unterdrückt, uns wird ein politischer Wille aufdiktiert – wir, Opfer der Willkür von ein paar Funktionären. Vor 15 Jahren ging es zwar um Bürgerrechte, Freiheit und den ganzen selbstverständlichen Mist, aber das haben wir ja nun bereits. Jetzt aber ist die Zeit gekommen, Wohlstand auf die gleiche Stufe zu stellen! Man entwickelt sich ja schließlich weiter. Oder meinen Sie, dass kommt alles von alleine? Eben.

Und die paar Bürgerrechtler von damals sollen sich mal nicht so haben wegen der Terminologie. Haben die ein urheberrechtlichen Anspruch auf den Begriff “Montagsdemonstrationen”? Na also! Passt auch irgendwie in den Retro-Trend von heute: Es lebe die Spreewaldgurke und das FDJ-Hemd! DDR ist wieder in.

Auf dass alles so bleibe wie es ist.

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  • henning 26. August 2004, 09:13

    Sehr schöner Artikel, der die neuen “Monatgsdemos” als das entlarvt, was sie sind: der Versuch, den Osten auf die Straße zu locken, indem man suggeriert, Hartz IV sei genauso schlimm wie die Stasi, Clement genauso schlimm wie Mielke. Ein noch wesentlich interessanterer Aspekt als der Begriff “Monatgsdemo” sind aber die Schilder “Wir sind das Volk” – in der DDR gingen ‘89 Millionen auf die Straße, in ganz Deutschland letzten Montag 90000. Es ist dieser völlig unberechtigte Versuch, eine Parallele zu den Protesten gegen ein Unrechtsregime vor 15 Jahren zu ziehen, der die Proteste so unglaubwürdig macht.

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