≡ Menu

Jäger und Sammler

Wieviel ist einem Fan ein WM-Ticket wert? Anscheinend eine ganze Menge – nicht nur in finanzieller Hinsicht. Denn jeder, der im Internet gerade mal ein Los für WM-Tickets kauft, wird dafür vermutlich folgende Daten preisgeben müssen:

  • Name
  • Alter
  • Personalausweisnummer
  • Telefonnummer
  • Faxnummer
  • E-Mail-Adresse
  • Bankverbindung oder Kreditkarteninformation

Nun wird sich der ein oder andere fragen: Wo kriege ich bis zum Verkaufsstart am 1. Februar ein Faxgerät her, um doch noch ins Stadion gelassen zu werden? Aber das ist nicht der Punkt. Wichtig ist: Wie viele Daten werden für die Bestellung tatsächlich benötigt? Doch Veranstalter und Sponsoren wissen: Dem Ticketkäufer ist das egal. Und wer doch Einspruch gegen die Nutzung der Daten für Werbezwecke einlegen will, kann das ja offline (also auf dem Postweg) machen – damit dürfte sich der Anteil derer, die das tatsächlich tun, im verschmerzbaren Promille-Bereich bewegen.

In letzter Zeit geht der Datenschutz immer mehr in die Defensive. Ob DNA-Analysen zur Verbrechensbekämpfung oder Vorratsdatenspeicherung von Internet-Verbindungen—letztlich ist nicht das einzelne Datum entscheidend, sondern die Verknüpfung der vermeintlich harmlosen Daten, aus denen sich mittlerweile in kürzester Zeit komplexe Profile einzelner Personen erstellen lassen. Der vielzitierte Satz Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten ist da ein ganz heikler, denn er gilt nur so lange, wie die Daten nicht weitergegeben werden – was im Fall der WM-Bestellungen eben gerade nicht der Fall sein dürfte. Da der Einzelne aber kaum einen Einfluss darauf haben dürfte, muss er sich eben anders zu helfen wissen. Die entsetzte Reaktion einer Kassiererin (einem Kommentar im Heise-Forum entnommen) illustriert deutlich die mangelnde Auseinandersetzung vieler Menschen mit dem Thema:

Wie, Sie haben keine Pay-Back-Karte? Und was meinen Sie mit “Gott sei Dank nicht!”??

Datenschützer sind zurzeit hoffnungslos überfordert. Daher sollte jeder selbst auf seine Daten achten. Und überlegen, wieviel ihm das WM-Ticket wirklich wert ist.

Comments on this entry are closed.

  • Ulla 27. Januar 2005, 20:02

    Also wär ich die Kassierin würd ich sagen, ich mach mir nix aus Fußball (wie könnte ein Volleyballer auch ;) )…

    aber leider ist ja dieses ganze thema nicht wirklich witzig. es ist schon wahnsinn was man überall so für sachen angeben muss.

    zu dem thema hatte ich auf arbeit heut ein tolles erlebnis: ein kollege hat festgestellt, dass er über das System Zugang zu den Kontodaten aller Leute im Unternehmen hat….auch zu denen des Chefs…und den Zugang hat er nich nur, weil er der Zuständige für das System is, sondern den hätte auch ich….

  • SCHAPPY 31. Januar 2005, 02:20

    Zu dem Thema passt doch wieder mal: “Drei, Zwei, Eins, meins!” Alle doch so sensiblen Daten werden zu hunderttausend an jedermann gegeben. Da könnte man argumentieren, das ist doch nicht jedermann, die sind eine große bekannte Firma und haben damit viel Erfahrung – den kann man ruhig vertrauen. Kann man, sollte man dennoch nicht. Die Daten sind schließlich bares Geld wert. Klingt komisch, ist aber so. Je mehr von den Daten aus der Datenbank einmal kopiert werden und zufälligerweise in die Hände des ach so unterbezahlten Personals fallen, desto schnell hat man den heimischen Briefkasten voll oder man erhält Gewinnanrufe. Aber das ist noch das kleinere Übel. Viel interessanter ist doch der Aspekt einer gewissen neuen Datenschutzverordung, die seit Januar 2005 die Terrorgefahr minimieren soll und zu diesem Zwecke Kommunikationsabhörmaßnahmen in weiterem Maße ermöglicht. Da ist es doch nur nebensächlich, dass die E-Mail-Adresse mitangegeben wird; wer will diese schon, wenn es eine Personalausweisnummer gibt.

    PS.: Stellt sich mir nur die Frage, können Südostkoreaner ohne gültigen deutschen Personalausweis an diesem Spiel als Zuschauer im Stadium dabei sein (Nationalität beliebig permutierbar)? Ach ja, was macht der 13-jährige 1860er Fan aus der TV-Werbung von der Hypo-Vereinsbank?

  • carsten 10. Februar 2005, 01:38

    Hi André,

    du schreibst, dass die Daten vermutlich weitergegeben werden. Laut dem einen etwas älteren Spiegelartikel werden sie definitv weitergegeben!

    Und man kann zwar schriftlich widersprechen, nur, wenn ich überlege, dass so eine Postkarte sagen wir mal zwei Tage später bei der FIFA eingeht und noch eine Woche vergeht, bis die bearbeitet ist, kann ich davon ausgehen, dass diese Daten schon längst bei Coca-Cola, McDonalds und Co. sind. Und dass die dann noch gelöscht werden? Klar doch…

    Die Genossen von der FIFA haben schon einen guten Grund, das System so umständlich zu machen (ein Mausklick hätte genügt…) und der heißt Geld.

    Irgendwer sagte mal, dass Kommerz den Fußball kaputt macht. Inzwischen seh ich das auch so und ich denke mit Grauen an das Publikum, dass sich im WM-Stadion versammeln wird. Ungefähr 50-70% Sponsorenplätze, Ehrenkarten etc. und der Großteil vom Rest vermutlich Leute die sich denken “WM im eigenen Land? Ich find Fußball zwar doof, aber das könnte man ja mal machen!”

    Der gemeine Fußballfan wird hier wieder mal kräftig vor den Kopf gestoßen!

    Ich persönlich werde drauf verzichten…