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Grenzbereiche erfahren

Samstagmorgen, 6:30 Uhr. Früh aufstehen ist angesagt, denn es geht zum ADAC-Fahrsicherheitstraining nach Linthe. Perfektes Wetter für einen solchen Tag: Schneegestöber. Ein bisschen mulmig ist mir, da mein Cousin den Kurs vor drei Wochen absolviert und hinterher von diversen Schleuderaktionen berichtet hat.

Nach der Vorstellungsrunde der elf Kursteilnehmer und ein wenig Theorie geht’s dann auch schon los: Im Slalom um die Hütchen im “Wohlfühltempo”. Das hat System, denn wie bald klar ist, weicht dieses vom (subjektiv) maximal beherrschbaren nur um ein paar km/h ab. Erste Lektion also gelernt.

Nächste Themen: Gefahrenbremsung auf griffigem und rutschigem Untergrund (am Nachmittag tat mir davon bereits der Fuß weh!). Einige lernen hier das erste Mal ABS kennen. Weiter geht’s mit Ausweichmanövern mit und ohne Bremsen, Fahrten auf der Kreisbahn und schließlich der Dynamikplatte — eine Vorrichtung, die der Hinterachse bei Tempo 40 einen seitlichen Stoß gibt und so einen Aufprall simulieren soll. Ein Scheiß-Gefühl; das Heck bricht aus und überholt mich. Nach einer 270°-Drehung steht der Wagen dank Vollbremsung. Die Übung wird wiederholt, etwa fünfmal, bis das Gegenlenken einigermaßen sitzt.

Nach über acht Stunden zurück zur Kurs-Auswertung. Alle sind hellauf begeistert und wollen irgendwann wieder hierher für einen Aufbaukurs. Ein Teilnehmer, Fahrlehrer und angehender Trainer, lobt das hohe Niveau der Gruppe, und auch der Trainer äußert sich sehr positiv. Nach Verteilung der Urkunden geht es zurück auf die Autobahn, der Berliner Ring gleicht einer Eisbahn. Bereits jetzt werden die Grenzen eines solchen Trainings offensichtlich: Ich bin wie alle anderen mit 50 unterwegs, auch noch hinter der Unfallstelle. Auf dem Parcours war 40 km/h die Höchstgeschwindigkeit auf glatter Fahrbahn.

Mein persönliches Fazit: Der über die Jahre verlorene Respekt vor der Geschwindigkeit kehrt ziemlich schnell wieder zurück. Man lernt das Auto, die Technik und vor allem sich selbst besser kennen. Das gibt einem Halt gegenüber der Hilflosigkeit, die in der letzten Übung am deutlichsten hervortritt. Ein guter Anfang — 2006 werde ich sicherlich den Aufbaukurs belegen.

Hausaufgabe: Ein Auto fährt mit Tempo 30, macht vor einem plötzlich auftauchenden Hindernis eine Vollbremsung und kommt kurz davor zum Stehen. Ein anderes Auto fährt die Strecke mit Tempo 50, sieht das Hindernis zum gleichen Zeitpunkt und macht ebenfalls eine Vollbremsung. Mit welcher Geschwindigkeit trifft das schnellere Auto auf das Hindernis?

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  • schmidt 28. Februar 2005, 22:06

    Bevor Schappy hier alles vorrechnet: 35 km/h (Geraten)

  • SCHAPPY 1. März 2005, 19:51

    Hmm, ich hätte anders geantwortet:

    Der erste Fahrer ist ein sicherer Fahrer, der mit einer angemessenen Geschwindigkeit von 30 kmh-1 unterwegs ist. Wegen seinem vorausschauendem Fahrstil kann er die Gefahr rechtzeitig erkennen und bremst glücklich ab.

    Der zweite Fahrer ist mit deutlich mehr Speed im Blut unterwegs, denn er ist jährlich mehrere tausend Kilometer unterwegs und hat daher viel Fahrerfahrung gewonnen. Daher bremst dieser beim Erkennen der Gefahr abrupt ab, wird dann jedoch schleunigst die Füße wieder von Kupplung und Bremse nehmen und das Leckrad geschickt nutzen, um das Objekt zu um fahren. Denn hätte er seine Vollbremsung durchgezogen, so wäre er nicht nur, wie vermutlich Gregor korrekt bestimmt hat, auf das Objekt gefahren. Viel drastischer wäre der foglende Auffahrunfall, denn der vermeindlich nachfolgende Verkehr hätte das plötzlich erscheine Objekt nicht erkennen können, denn das vorausfahrende Auto hätte es verdeckt. Als Resultat wäre die Reaktion im folgenden Verkehr zu langsam gewesen und es hätte es jämmerliches Durcheinander gegeben und zahlreiche verbeulte Fahrzeuge (vgl. Wildunfälle, Nebelunfälle).

  • SCHAPPY 1. März 2005, 19:53

    Anmerkung: Bei dem gewagten Lenkmanöver bleibt der Fuß gewiss auf der Kupplung. Nicht das dies an dieser Stelle falsch verstanden wird.

  • André Wendt 1. März 2005, 21:39

    Ah ja. Dann hätte der Tageskurs aber keinen Praxisteil enthalten können, weil die Beantwortung der Frage zu lange gedauert hätte.

    Die Antwort ist a) kurz und b) rational, etwa so wie Gregors.

  • henning 2. März 2005, 18:29

    wild guess: 20 km/h

  • André Wendt 4. März 2005, 18:08

    So oder ähnlich hätten meine Antworten auch ausgesehen. Richtig wäre: 50 km/h.

    Begründung: Reaktionsweg und Bremsweg. Bei Tempo 30 liegt der Reaktionsweg bei etwa neun Metern, der (Gefahr-) Bremsweg bei weiteren 4,5. Das Hindernis kann sich also etwa 14 Meter vor dem Auto befinden, um “kurz davor” zum Stehen zu kommen. Bei Tempo 50 hingegen liegt allein der Reaktionsweg bei 15 (!) Metern. Damit trifft das Auto auf das Hindernis, bevor der Fahrer überhaupt die Bremsen betätigt.

  • schmidt 4. März 2005, 19:13

    Kann man also mit Fug und Recht behaupten, dass ich am Dichtesten dran war. Heureka. :-)

    Aber heißt das jetzt, dass ich nicht mehr Auto fahren darf, weil es zu gefählich für alle anderen ist. Lass das bitte nicht die Moral sein. (Nicht schneller als 30 fahren sollte sie im Übrigen auch nicht sein.) Sag bitte, dass das schon irgendwie in Ordnung geht und die Zahl der Verkehrstoten jährlich sinkt oder irgend sowas. Die können euch doch nicht so auf die Straße zurück gelassen haben.