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“Willkommen, Herr AndrU Wendt”

Einen Umlaut oder sonstige diakritische Zeichen im Namen zu haben, kann im Zeitalter des Internet als echter Nachteil angesehen werden. Von Kompromissen bei E-Mail-Adressen mal abgesehen — mein Name ist selten richtig geschrieben.

Moderne Rechner sollten niemals dem Nutzer bei seiner Aufgabe im Weg stehen. Das habe ich aus der Lektüre von Jef Raskins The Humane Interface: New Directions for Designing Interactive Systems mitgenommen. Klingt logisch und wird als gegeben angesehen. Zu Unrecht, wie sich zeigt.

Mir wird jeder zustimmen, dass zeitgenössische PCs die Aufgabe “Namen eingeben” durchaus schnell, effektiv und ohne nennenswerte Probleme unterstützen (wenn man von Linux absieht, dem man das Akzent über Vokalen unnötigerweise nur mit Klimmzügen beibringen kann). Wenn es jedoch an die nächste übliche Aufgabe “Namen übertragen” geht, muss meist auch die neueste Technik passen.

Diverse (englischsprachige) Seiten im Internet machen aus “André” in fast jedem Fall so schöne Namen wie “AndrÜ”, “Andrù” oder auch “Andr£” (um dieses Zeichen hier überhaupt reproduzieren zu können, musste ich die Zeichentabelle heranziehen). Interessant dabei ist, dass Akzente, wie sie in mehreren (Welt-)Sprachen vorkommen, mitunter durch Umlaute ersetzt werden, die sprachlich weit weniger Verbreitung finden.

Den Vogel schoss allerdings bei meiner letzten Bestellung eine Firma ab, die ihre Ware an “AndrU Wendt” schickte, um sie dann “Andr8 Wendt” in Rechnung zu stellen — obwohl ich bei der Bestellung Lieferadresse und Rechnungsadresse stimmen überein auswählte und auch nur eine Adresse angab.

Schuld daran sind meist falsche Zeichensätze, die zur systembedingten Namensänderung führen. Dass das lästig ist, leuchtet sicherlich jedem ein. (Wahrscheinlich haben die Annes, Gregors und Martins dieser Welt nur noch nie darüber nachgedacht.) Seinem Kind quasi als Abhilfe einen US-ASCII Namen zu verpassen, kann aber auch keine Löung sein.

Um den Leser nicht mit weiteren Details zu langweilen: Die Übertragung von Informationen darf diese nicht verändern. Vor allem nicht, wenn es um Rechnungsdaten geht, die unter Umständen noch Relevanz beim Finanzamt haben könnten. Genau das kann mit heutigen Mitteln (allen voran Unicode) bereits wirksam verhindert werden. Dann würden auch solche Pannen wie E-Mail-Rundschreiben, in denen sämtliche Umlaute einfach fehlen, künftig unterbleiben. Bleibt die Bitte, diese Mittel auch flächendeckend einzusetzen.

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  • schmidt 13. April 2005, 11:55

    Wie wär’s wenn Du deinen Accent das nächste mal einfach so schreibst: é. Davon wird es zwar mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nicht schöner, aber es ist immer dein Name – irgendwie jedenfalls. ;-)

  • schmidt 13. April 2005, 11:59

    @me: Wofür gibt es eigentlich die Vorschaufunktion.

    Ich meinte natürlich é

  • SCHAPPY 13. April 2005, 16:40

    Große Freude überkam mich eben, als ich im Feed sah, dass es seit langem wieder einen neuen Artikel gibt – da hat das Jammern also doch geholfen.

    Wie dem auch sein mag, ich muss mal ein wenig klugscheißern (mach ich das sonst nicht auch?!).

    Die Übertragung von Informationen darf diese nicht verändern…” bleibt auch in dem zuletzt geschilderten Fall erhalten. Nicht die Information geht verloren oder wird manipuliert, lediglich die Interpretationsvorschrift für die übermittelten Daten stimmt nicht mehr mit der ursprünglichen überein. Mittel und Wege zum Schutz vor Datenkorruption aller Art sind schon lange bekannt und werden auch genutzt, so dass die Daten an sich auch völlig korrekt übermittelt werden.

    Nun stellt sich nur die Frage nach dem “Wo” sind die Interpretationsvorschriften nicht mehr korrekt eingehalten worden. Und an dieser Stelle fällt uns die auch so schön bunte Welte wieder einmal auf die Füße. War es vielleicht sogar schon Dein Firefox, der bei der Übermittlung einen Fehler gemacht hat, oder doch ein Proxy auf dem Weg zum Ziel, oder (wohl eher) ein dümmlicher PHP/CGI/PERL/wasauchimmer-Scripter, der einfach mal sich das leben leicht machen wollte und glücklich darüber war, dass beim Eintippen von “a” auch ein “a” am Zielort ankam.

    Das unterstreicht mal wieder die Notwendigkeit nach fähigen Ingenieur, die sich im Bereich der IT Systems ähm Softwaresysteme derzeit rar machen.

    Aber das sehen die Entwickler von Software natürlich völlig anders.