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Der Untergang einer Vision?

Mittlerweile ist es sieben Jahre her, dass Herr Plattner das HPI gründete. Und ich studiere an diesem Institut auch schon fast drei Jahre. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik wurde 1998 gegründet, um Software-Ingenieure auszubilden. Die Idee ist schnell erklärt: Zu viele Softwareprojekte scheitern derzeit, nicht selten ist dabei fehlender Überblick die Ursache. Daher sollte ein Softwaresystemtechniker komplexe Software-Systeme verstehen und beherrschen, um so eine Schnittstelle zwischen dem einen Fachidioten Informatiker und dem anderen Fachidioten Manager bilden zu können.

Das Institut selbst stellt sich auf seinen Webseiten so dar:

Die wissenschaftliche Nachwuchs-Elite findet am Hasso-Plattner-Institut hervorragende Studien- und Arbeitsbedingungen vor, wie sie nur eine privat finanzierte Einrichtung bieten kann. [..] Jedes Jahr werden höchstens 80 der am besten qualifizierten Bewerber für den Bachelor-Studiengang angenommen.

Soviel zur Theorie.

Nun zur Praxis: Nicht nur isoliert das ganze Elite-Gehabe der Chefetage die HPI-Studenten innerhalb der Universität, sondern es schreckt anscheinend auch so viele Bewerber ab, dass (beinahe) jeder genommen wird, um die 80 Studienplätze zu füllen.

Der Lehrstuhl “Softwaretechnik und Qualitätsmanagement” (ja, das ist genauso wichtig für die Studienrichtung wie es klingt!) wurde vor einem Jahr eingestampft mangels Professor. Eben jener Professor erwähnt das Institut nicht einmal in seiner Kurzbiographie. Und zum kommenden Wintersemester wird wahrscheinlich die Lehrveranstaltung PHP & MySQL Programmierung angeboten. Das ist kein Witz! Zu diesem Thema kann ich mir mehr als 60 Bücher bei Amazon bestellen. Fachhochschul-Niveau beim wissenschaftlichen Direktor, das gibt’s halt nur bei uns! Dafür ist dann auch der Projektmanagement-Kurs auf freiwilliger Basis.

Bleibt also die Frage, was von der Vision noch übrig ist. Mehr als die Studienbedingungen fällt mir da auf die Schnelle nicht ein…

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  • Martin 5. Juli 2005, 14:22

    Eigentlich solltest du ja wissen, welche Bedeutung PHP und MySQL mitlerweile eingenommen hat und den Sprung von der Skriptsprache für Faule hin zu der anerkannten Enterpriseprogrammiersprache geschafft hat. Das ein solches Seminar angeboten wird, zeigt nicht den Untergang einer Vision, sondern einfach nur, das gerade im Bereich Internettechnologien das HPI geschlafen hat. Sicherlich ist dies kein Seminar für 6. oder 7. Semester, aber einem Studienanfänger kann es helfen.

    Viel eher sehe ich es als Problem, dass es in der Vergangenheit relativ wenig praktische Seminare gab, die es ermöglichen theoretisches Wissen anzuwenden. Die reine Vorlesung Softwarekonstruktion oder Systemmodellierung hilft mir halt nicht, wenn es darauf beschränkt bleibt, Petri Netze für Rekursionen zu entwerfen und sich daran einen Wolf zu freuen. Natürlich sollen wir in irgendeiner Art und Weise eine Elite bilden und ich bin davon überzeugt, das jeder Student am HPI auf die eine oder andere Art und Weise eine solche Elite darstellt. So findest du auch zu anderen anscheinend “höherwertigen” Vorlesungen und Seminaren dutzende Bücher, stellst du diese dann auch in Frage?

    Welche Manager, Projektleiter oder ähnliches, sollen denn am HPI ausgebildet werden, wenn sich diese nur auf ihre eltiäre Ausbildung verlasen? Wie soll denn dieses System funktionieren, wenn der Vorarbeiter nicht weiß wie man eine Wasserwage benutzt? Der Vorteil des Studiums am HPI liegt eindeutig in der angewandten Informatik. Ich bin dankbar dafür, dass wir nur zwei Semester theoretische Informatik hatten und unsere Ausbildung in technischer Informatik eher ziehmliche Grundlagen abdeckt. Du kennst doch aus deinem Bekanntenkreis auch andere Informatiker und weißt, das die sich mit wesentlich theoretischerem Inhalten beschäftigen. Ist dir das lieber?

    Bevor du über ein Seminar zum Thema PHP und MySQL meckerst, solltest du mal die Leute fragen, die damit ihr Geld verdienen (dich eingeschlossen), die Leute, die dein Weblog System gebaut haben, die Mitarbeiter von all den anderen Projekten, die intensiv PHP einsetzen und das kommerziell, was die von einem solchen Seminar halten. Ich denke nicht, dass dieses Seminar zum Ziel hat ein bissl HTML zu coden.

    Wie wäre denn ein Seminar zum Thema “Hibernate und Java – persistene Speicherung von Objekten”, wäre dass auch nur Blödsinn oder ein Witz, weil es dazu Bücher gibt? Wieviel Bücher gibt es zum Thema “Klassenbibliotheken und Wiederverwendung”? Ist ein solches Seminar deswegen schlecht?

    Ich denke diese Liste lässt sich endlos fortsetzen. Der springende Punkt ist, dass sich jeder Student selber klar sein muss, was er erreichen will. Dann kann er auf dieses Ziel hinarbeiten. Es zwingt dich niemand dieses Seminar zu besuchen, du hast die Wahl. Wenn dir diese Wahlmöglichkeit nicht gefällt und du lieber elitär auf dein Vorlesungsverzeichnis schauen willst, dann empfinde ich das als ziemlich peinlich. Vielleicht lässt sich aber auch ein anderer Titel für das Seminar finden, der dich glücklicher macht:

    “Developing high-performance applications using AJAX patterns with JPSpan Library”

    Resultat: Benutzer PHP, MySQL und JavaScript.

    Warum der Text so aggresiv klingt? Weil er es muss. Diese Kurzsichtigkeit sein Studium nach bekannten Namen auszurichten oder nach Vorgaben anderer Leute bringt mich zum würgen. Du machst das Studium für dich und am Ende wird dich keiner Fragen was die Vision deines Mentors oder Stifters war. Du musst dich alleine bewerben, mit dem was du hast. Und das sind nunmal nur die Erfahrungen, die du während deines Studiums in der Lage warst zu sammeln. Vielleicht irre ich mich ja auch und du stellst diesen Typ Mensch dar, der überall gesucht wird:

    Jung – 25, dynamisch, erfolgreich, 20 Jahre Berufserfahrung.

    —-

    Warum nun so wenig Bewerber existieren, das mag eher an der Popularität und dem Bekanntheitsgrad des HPI liegen. Bis ein Institut wirklich aus den Bewerbern wählen kann, vergehen halt ein paar Jahre. Das sehe ich nicht als Problem an.

  • SCHAPPY 10. Juli 2005, 22:08

    Ich möchte mich gar nicht zwischen die Fronten stellen, aber dennoch muss ich jetzt doch nach langem Durchdenken antworten:

    [*] PHP & MySQL-Programmierung ist sehr wohl Oberstufenniveau aber nicht unbedingt Fachhochschulniveau, das klingt doch schon ziemlich arrogant

    [*] Worauf der Verfasser des Artikels ggf. hinaus will, ist die Tatsache, dass er bereits eine generische Veranstaltung zum Thema “Grundlagen der Programmierung” gehört hat. Das subsumiert meines Erachtens PHP und MySql.

    [*] Die meisten haben bereits Erfahrung mit PHP und MySQL, aber das ist im Studium oft der Fall, so dass man eine derartige Veranstaltung nicht besuchen muss. Nicht ohne Grund wurde die Seminarform genutzt, die deutlich praktischere Ansätze als eine Vorlesung zulässt. Des Weiteren beschweren sich oftmals Studenten über den zu theoretischen Ansatz bei einigen Veranstaltung – Grund: Es handelt sich um eine Universität.

    [*] Single, weiblich, 22 Jahre jung mit 20 Jahren Berufserfahrung wohl eher :)

    [*] Niemand weiß bisher ob das Seminar tatsächlich stattfinden wird, oder um dessen Inhalt und dennoch zerreißt man sich das “Maul” (mitmachen wollen dann doch alle).

    [*] Es gibt auch viele Menschen, die Grid-Computing, Administration, etc. bereits können und gerade solche Leute setzten sich eben diese Personen in derartige Seminare

    [*] …

  • Martin 10. Juli 2005, 22:14

    Die Inhalte des Seminars werden soweit ich weiß daraus bestehen, Grundlagen der PHP Anwendung zu vermitteln. Dazu sollen Vorträge gehören wie:

    – Smarty und Templates

    – Netzwerkommunikation

    – OOP

    Dann soll ein CMS System entwickelt werden. Wie weit das geht… an der Stelle war sich der Seminarleiter noch nicht ganz sicher.

    Die Struktur des Programmierens beherrsct wohl jeder, siehe KDP1 und 2, aber die Anwendung in einer beliebigen Programmiersprache ist dann der praktische Einsatz.

    Danke Schappy, für den letzten Punkt.

  • André Wendt 11. Juli 2005, 00:48

    Vielleicht sollte ich ein paar Dinge klarstellen:

    1. Wir sind keine Elite, sondern meiner Meinung nach weit davon entfernt. Aber vielleicht irre ich mich. Jedenfalls schaue ich nicht “elitär” irgendwohin.
    2. Eine universitäre Ausbildung sollte mir nicht beibringen, wie ich eine Wasserwaage benutze, sondern wie diese funktioniert.
    3. Fachhochschulen sind generell der Oberstufe (Sekundarstufe II) höhergestellt. Der Vergleich zu Fachhochschulen war durchaus legitim, weil sie sich dadurch auszeichnen, praxisorientierter zu lehren. Der Vergleich zur Oberstufe war es definitiv nicht!
    4. Ich habe nichts gegen Praxis. FHs dagegen vermitteln (zumindest in unserer Branche) Wissen, das eine ungefähre Halbwertszeit von 10 Jahren hat, Universitäten dagegen weit mehr… Das Wissen, was mir in “PHP & Mysql-Programmierung” vermittelt wird, hat eine Halbwertszeit von schätzungsweise fünf Jahren. Das Seminare “Grid-Computing” und “Betriebssystemdienste und -administration” können mir über wesentlich längere Zeit etwas nutzen. Immerhin ist Unix 35 Jahre alt, und viele Ansätze werden immer noch verwendet. Grid-Computing ist so alt wie die Idee, zwei Computer miteinander zu verbinden. PHP dagegen hat erst vor 10 Jahre die Bühne betreten und entwickelt sich so schnell, dass man kaum Grundlagen davon vermitteln kann. (MySQL ist ein Jahr älter.)
    5. Studenten zu Projektmanagern auszubilden impliziert gewisse Kurse, die bei uns nicht Pflichtfächer sind, es aber sein sollten.
    6. Fragezeichen im Titel sind kein Zufall.
  • Martin 11. Juli 2005, 06:26

    Ok, was haben wir nun festgestellt?

    1. Generell sollten wir nur Seminare oder Vorlesungen belegen, die sich mit Themen auseinandersetzen, die älter sind als wir. Gut dann hätte ich nicht MDA belegen sollen und mein Vortrag zu Generativer Programmierung mit UML2 war wohl eher ein Kindergartenbeitrag (Höchstalter 10 Jahre). Die Technik für euren “Selbstverwaltung von Windows Benutzergruppen” Vortrag ist dabei glaube ich auch ziemlich jung.
    2. Es existiert ein schlechtes Bild über Fachhochschulen.
    3. Es gibt nix, was man nicht mit einem guten Buch lernen kann.

    Was hier vielleicht noch hilft, wäre doch eine Definition, wie du dir vorstellst, was dein Studium beinhaltet sollte. Und auch die Frage, was willst du danach machen und siehst du dich dazu in der Lage, diese Tätigkeit auszuüben?

  • SCHAPPY 11. Juli 2005, 21:25

    Das hier ähnelt einer Pat-Situation. Keiner der “Argumentierenden” will so von seiner angestammten Position abweichen (und soll es schließlich auch nicht).

    Mir ist aufgefallen, dass hier viel Energie ins Diskutieren gesteckt wird, was daraufhin deutet, dass man sich viele Gedanken macht. Und wenn man derart viel Energie bereits ins Diskutieren steckt, dann muss das Studium ziemlich davon profitieren (Anmerkung vom Duden hier einfügen:  studieren: <aus lat. studere “etw. eifrig betreiben; sich wissenschaftlich betätigen”>).

    Wie dem auch sei, muss ich mich auch ein wenig wehren. Es steht zwar nicht im Lehrplan (soweit ich mich entsinne), dennoch bieten ziemlich viele Oberstufen bereits im dortigen Informatikunterrricht Veranstaltungen mit identischen Titeln an. Das sich die Inhalte lediglich gleichen ist mir ebenso klar. Ich fand die arrogante Sicht auf die FH’lerInnen nicht angemessen, die impliziert, dass was dort gemacht wird ist eher “trivial” (so scheint hier schließlich die Veranstaltung zu wirken).

    Dem werden jedoch viele FH’lerInnen widersprechen! Ebenso kann ich mir nicht vorstellen, dass das “Lehrgut” an FH’s weniger wert ist, als das universitäre.

    Denn, wie der ein oder andere universitäre Studierende immer wieder feststellt, fehlt ihm/ihr die Praxisnähe: dann müssten eben diese Studierende sich alle bei FHs einschreiben. Schließlich sollen die Studierenden der Universität die Funktion der Wasserwaage erlernen und sie nicht bedienen sollen. Entwerfen müssen wir sie können, aber ein Bild gerade aufhängen dürften dann eben diese nicht :)

  • SCHAPPY 11. Juli 2005, 21:27



    Ich vermute, der Diskussion liegt etwas anderes zu Grunde. Der Titel der Veranstaltung klingt zu “trivial”, so dass man sich zu fein sein könnte dies auf dem Zeugnis stehen zu haben oder sogar anderen Kommilitonen mitteilen zu müssen, man studiere an einer Universität “PHP und Co.”, worauf diese dann womöglich ebenso reagieren würden; eben mit gleicher Argumentation – “…kenne ich bereits!”, “…habe ich schon in der zwölften Klasse gemacht!”, “Das macht man mein 15-jähriger Bruder auch.”

    Ich bind denke wir sollten es einfach auf uns zukommen lassen, denn wir haben bestimmt genug mit unseren BA-Projekten bzw. Praktika zu tun, so dass eine interessante Abwechslung (von der wir ein wenig verstehen) uns allen zu Gute kommen könnte :)