≡ Menu

Stadion of Blinding Lights

Olympiastadion, 16:00 Uhr. Ich beim U2-Konzert und das für 25 Euronen — wenn das kein Grund ist, sich wie ein kleines Kind zu freuen! Wir suchen einen Stehplatz am Rand, um uns bis zum Beginn auch mal anlehnen zu können. Außerdem ein Dach über dem Kopf, das angesagte Gewitter scheint tatsächlich zu kommen.

Irgendwann kommen die Vorbands. Kaiser Chiefs machen den Anfang, mit einem am Mikro herumhüpfenden Sänger und schlechtem Ton. Britische Rockmusik à la Franz Ferdinand, gepaart mit betont konservativem, aber bunt durchmischtem Äußeren. Irgendwie nicht mein Fall. Leichter Regen setzt ein, viele flüchten zu uns an den Rand. Snow Patrol haben nach einem guten Anfang ein paar technische Probleme, die prompt mit Pfiffen quittiert werden. Halb neun — die Menge wird ungeduldig, das merkt man. Die vier lässigen Iren zeigen ein paar Nerven, fassen sich aber wieder und spielen ihr Programm zu Ende. Dann viel Gewühl auf Bühne. Warten.

Plötzlich geht es los. Mit “unos, dos, tres, catorce” ist das ganze Stadion ein Hexenkessel, der Konzert-Auftakt schlechthin. Sie spielen hintereinander weg, ein Stück nach dem anderen, mit nur wenigen kurzen Pausen. Das Publikum ist begeistert, Bono muss uns bei Still haven’t found what I’m looking for unterbrechen, sonst hätten wir noch ewig gesucht. Spätestens jetzt wird klar, dass sie fast nur Hymnen geschrieben haben, wie geschaffen für ein großes Stadion.

Die erste größere Pause kommt vor Miracle Drug und Sometimes you can’t make it on your own, aber viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, es folgen Sunday Bloody Sunday, Pride und Streets.

Die Wolken verziehen sich nun endgültig, als wenn sie ahnen, dass sie nicht zum Thema passen: Natürlich spricht Bono die Menschenrechte an und hebt Schröders Engagement in Gleneagles herver. “He’ll be my hero”, verkündet er — angesichts der momentanen innenpolitischen Situation die pure Ironie. Trotzdem hören alle gespannt zu.

Nach gut eineinhalb Stunden verabschiedet sich die vier, aber es geht noch was. Sechs Zugaben oder 45 Minuten später ist nach einem “Thanks for tonight” endgültig Schluss. Was für ein Abend!

Hinweis: Auf der offiziellen Seite gibt’s die gesamte Liste aller gespielten Stücke.

Comments on this entry are closed.

  • schmidt 8. Juli 2005, 20:12

    Wie war denn der Sound im neuen Olympiastadion? Mein Schwager in spe hat gesagt, dass als er mal bei U2 war, der Sound in der große der Arena vollkommen verloren ging.

  • André Wendt 9. Juli 2005, 21:37

    Das kann ich so nicht bestätigen. Klar — Interferenzen sind bei Rockkonzerten normal. Da aber die Bühne am Westtor stand (und damit direkt vor dem Durchbruch), war der Klang ziemlich gut.

    Über mangelnde Bässe konnte man sich nicht beklagen, auch Gesang und — bei U2 besonders wichtig — Gitarre gingen nicht unter.

    Allein auf solch ein Publikum wird Hertha wohl noch lange warten müssen…