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Über den Wolken

… muss die Freiheit wohl grenzenlos gewesen sein. Denn damit ist es nun in Berlin scheinbar vorbei. Der Absturz eines Ultraleicht-Flugzeugs am 22. Juli zeigt mit dem Flugverbot über der Berliner City erste politische Konsequenzen. Das Verbot ist jedoch vorschnell und kurzsichtig.

Das heute in Kraft getretene Flugverbot über dem Innenstadtbereich von Berlin ist gleich in doppelter Hinsicht falsch: Einerseits bringt es keine zusätzliche Sicherheit. Alle, die das Gegenteil behaupten (allen voran Stolpe und Schily, die sich über die Bedenken der Landesregierung hinweggesetzt haben), haben nicht zu Ende gedacht. Denn auch wenn alle Maschinen mit Transponder ausgestattet und ortbar sind, so wird das weder Terroristen noch Selbstmörder stoppen können. Verbote schrecken zwar ab, aber vermeiden (so die offizielle Begründung für das Verbot) tun sie rein gar nichts.

Vom Flughafen Schönefeld bis zur Innenstadt braucht man per Flugzeug etwa drei Minuten, und selbst wenn noch Zeit zum Reagieren bleiben würde — was würde das nutzen? Soll die Luftwaffe eine Cessna samt Piloten mit Selbstmordgedanken über dem Alexanderplatz abschießen? Zweifelsohne würde das mehr Menschenleben fordern.

Andererseits gibt es genug Geschäftsleute, die auf einen offenen Luftraum über Berlin angewiesen sind: Frank Hellberg zum Beispiel, dessen Firma Air Service Berlin den Ballon am Potsdamer Platz betreibt und Rundflüge mit Wasserflugzeug, Rosinenbomber und Hubschrauber sowie diverse andere Attraktionen bietet. Noch nicht einmal in New York gilt ein solches Überflugverbot. Zumal ja der Großteil der Berliner Touristenmagneten nach wie vor auf privatem Mist wächst und die Stadt solche kreativen Köpfe eigentlich auf Händen tragen sollte.

Längst ist die Sicherheitspolitik hierzulande zum Populismus verkommen. Ist ja auch ein dankbares Thema: Möchten Sie bei einem Anschlag sterben? Nein? Na, sehen Sie! Mehr als schwarz und weiß gibt es da in den Augen vieler Politiker nicht mehr — wenn überhaupt. Das ist gefährlich. Gerade ein Rechtsstaat sollte sich ab und zu ein Sicherheitsrisiko leisten, um einer zu bleiben.

Comments on this entry are closed.

  • schmidt 1. August 2005, 21:05

    *vorbehaltlos unterschreib*

  • Jean Pierre 2. August 2005, 11:11

    Ich bin mir nicht sicher, ob nicht gar von Tempelhof oder Tegel Privatflugzeuge starten können. Ebenso könnte ohne Probleme ein Ultraleichtflieger auf einer der längeren Wiesen im Tiergarten starten.

    Ich freue mich schon drauf, wenn die Luftwaffe wirklich mal den Befehl erhält, so ein Ding vom Himmel zu holen und die Maschine dann irgendwo abschmiert. Bitte nicht allzu weit weg von den Politikern, die diesen Stuss verfasst haben. Und hoffentlich ohne Kollateralschäden an Unbeteiligten.

  • schmidt 2. August 2005, 11:56

    Wenn ich das richtig verstanden habe, darf die Bundeswehr das Ding garnicht abschießen. Schließlich ist für innerdeutsche Straftaten die Polizei zuständig. Ob die es allerdings schafft, mit einem Wasserwerfer in Flugzeug vom Himmel zu holen, darf bezweifelt werden.

    Sicherlich könnten sie den Bund um Hilfe bitten. Aber die müssten dann auch schon eine FLAK in die Kuppel vom Reichstag eingebaut haben, damit sie zeitnah reagieren könnten. Selbst in New York gibt es keine vergleichbaren Verbote, denn was nütz es etwas zu verbieten, das man nicht kontrollieren oder unterbinden kann.

    Ein Radiomoderator hat es in einem Interview mit einem Bundeswehroberen so formuliert: “Das ist, wie wenn man Mord verbietet. Es ist dann ohnehin schon illegal und man kann es nicht verhindern.”

  • Jean Pierre 2. August 2005, 14:37

    Das ist richtig, die Bundeswehr darf im “Inneren” unserer Republik nicht eingesetzt werden (mit wenigen Ausnahmen, z.B. zum Katastrophenschutz). Die Trennung zwischen Polizei und Militär ist eine wichtige Errungenschaft, deren Notwendigkeit sich aus der deutschen Geschichte ableitet.

    Leider gibt es Politiker, die das nicht so sehen. Ich würde nur wenigen meiner ehemaligen Kameraden (ja, ich war beim Bund) eine geladene Waffe in die Hand drücken und sie irgendwo in der Stadt “aufpassen” lassen.

    Auf der anderen Seite verfügt die Polizei nicht mal ansatzweise über die notwendige Ausrüstung für einen Einsatz, um z.B. einen abgedrehten Privatpiloten zur Landung zu überreden. Dafür werden auch jetzt schon Jagdflugzeuge der Bundeswehr verwendet (so vor kurzem in Stuttgart geschehen, um eine verirrte polnische Cessna zum Flughafen zu geleiten).

    Selbst die Flak löst auch dann noch nicht das Problem, das auftritt, wenn der unerwünschte Flugkörper dann den Gesetzen der Schwerkraft folgt und gen Boden stürzt.

  • schmidt 2. August 2005, 14:46

    Ich hatte wohl vergessen zu erwähnen, dass es sich dabei natürlich um eine FLAK 3000 handelt mit eingebautem Entmaterialisierer und Problem-Anderer-Leute-Feld-Generator. Damit könnte es klappen.

    Das Verbot ist eigentlich so absurd, da kann man doch nur ironisch werden…

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