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Von Bären und Wespen

Unsere Nacht wurde um kurz vor sieben von einer 5-köpfigen Frauentagsgruppe, die hinterm Hotel ihre Fahrräder geparkt hatten, jäh beendet. Wir sind trotzdem nicht vor acht aufgestanden, weil die Touren jetzt einfach nicht mehr so lang sind wie bisher. Nach einem Muffin-Frühstück in der nett eingerichteten Lobby wollten wir noch Eis holen und tanken. Die Schlappe am Crater Lake (wir erinnern uns — ungern) war uns eine Lehre, wir tanken jetzt vor jeder Etappe voll.

Nun kennt sich in einer Stadt wie Mitchell sowieso jeder, und in diesem speziellen Fall ist der Besitzer der Tankstelle gleichzeitig der Besitzer des Hotels und der Besitzer von Henry, dem Bären. Beim Tanken komme ich also mit ihm ins Gespräch, erzähle ihm von Henrys Erwähnung in unserem Reiseführer als Attraktion, und er ist sichtlich überrascht. Anje kommt mit Eis zurück und Hugh bietet uns an, ihn (den Bären) zu füttern. Das Angebot nehmen wir natürlich gern an, so ein Erlebnis hat nicht jeder.

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Auf geht’s zum zweiten Teil der John Day Fossil Beds, der Sheep Rock Unit (Schafsfelseinheit). In kargen Landschaften sind hier Fossilien unter Glas zu sehen. Die Wanderung führt an quicklebendigen Kaninchen vorbei und endet in einem natürlichen Amphitheater aus grünem Gestein (wir fragen uns nur, warum das dann “Blue Basin” heißt). Die Affenhitze dort macht zu schaffen, wir leeren eine Literflasche Wasser in knapp einer Stunde.

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Der Rest der Tour ist schnell erzählt. Etwa 40 Meilen vor unserem Ziel bringt mich Anje unter einem Vorwand dazu, auf einem Parkplatz im National Forest anzuhalten und lässt eine offensichtlich angeheuerte Wespe auf mich los. Den Rest der Strecke überlasse ich also ihr das Steuer und presse eine Tüte Eis gegen meine Kniekehle. Bisher ist mir noch keine gebührende Rache eingefallen, aber ich arbeite dran!

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Da die Pinkelpause ja nun abgebrochen (und damit auf den Wespenstich an sich reduziert) wurde, fahren wir mal wieder mit entsprechendem Blasendruck — ist es an dieser Stelle angemessen, vom “Running Gag” zu sprechen? — zur Information und finden unser Motel. Da es Nachmittag ist, beschließen wir, uns in Pendleton umzuschauen. Geht schnell, der Ort mag zwar 15000 Einwohner haben, macht aber nichts daraus. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, beim Chinesen ist es still, und wir sind froh, unser Abendessen dort “to go” bestellt zu haben. Wir einigen uns darauf, “den amerikanischen Traum verschlafen” zum Motto der Stadt zu machen und gehen nach Hause.


Pendleton, OR

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