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Heiliger Krieg unter Studenten

Reibereien zwischen Windows- und Linux-Anhängern kennt man in unserer Branche zur Genüge. Dass derartige Diskussionen fast ausschließlich ohne rationelle Herangehensweise geführt werden, liegt auf der Hand. Da gibt es nur schwarz oder weiß. Wenn allerdings Studenten ein solches Verhalten an den Tag legen, ist das schon mehr als bedenklich.

Anlass war die Anfrage eines Kommilitonen über die studentische Verteiler-Liste, wie man unter Linux den Anschluss eines Beamers an den Laptop einrichtet. Ein zugegebenermaßen triviales Problem, dass unter Umständen leider nicht so einfach lösbar ist. Der Fragende hatte alle Hinweise, die er als Antworten (privat, nicht über den Verteiler) bekam, gesammelt und nach etwa zwei Stunden die Lösung der Antwort hinterhergeschickt, mit dem Hinweis Linux rockz. Daraufhin wurde er von einem anderen Kommilitonen angegriffen, wie er denn zu dieser Schlussfolgerung kommen könnte, wenn er für eine Präsentation erst kryptische Anweisungen in eine Textdatei eintragen müsse.

Eins gleich vorweg: Es geht hier nicht darum, ob Windows “besser” ist als Linux. Aber wenn jemand von einer einzigen Eigenschaft auf die “Unterlegenheit” einer Sache schließt, zeugt das von Unkenntnis. Womit man als Student vielleicht lieber nicht hausieren gehen sollte. Denn wir haben den gesellschaftlichen Auftrag, Dinge zu hinterfragen. Warum beispielsweise ist Linux angeblich so viel komplizierter als Windows? Unter anderem wegen fehlender Unterstützung durch die Hersteller. Die können aber erfahrungsgemäß nur durch Nachfrage dazu ermutigt werden, Linux als ebenbürtiges System anzusehen und z.B. Treiber auch für Linux anzubieten.

Meiner Meinung nach haben wir Studenten auch nicht das Recht, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Genau das ist es aber, wenn man als Student von IT-nahen Fächern Windows benutzt, weil es vorinstalliert ist. Oder weil man überall liest, dass Linux “komplizierter” ist als Windows. Oder weil man später im professionellen Einsatz sowieso nur mit Windows arbeiten wird. Im Fall meiner Kommilitonen sind all das Ausreden von Leuten, die kein bisschen über den Tellerrand hinausdenken wollen.

Es ist okay, wenn meine Freundin Windows benutzt, weil sie damit gut klar kommt und sich nicht umstellen möchte. Oder wenn sogar mein Chef Linux ausprobiert und für zu kompliziert befunden hat. Wenn aber ein Student mit noch nicht mal einem Hauch von Linux-Wissen ein Urteil über das Betriebssystem fällt, ist das eher peinlich. Ganz zu schweigen von einer nicht unerheblichen Menge von Windows-Nutzern bei uns am Institut, die Software aus fragwürdigen Quellen installiert hat, aber später mit der Entwicklung von Software Geld verdienen will.

Abgesehen davon sollte Linux und Open-Source-Software allgemein für IT-nahe Studenten besonders interessant sein: Hier ist mitmachen nicht nur möglich, sondern auch erwünscht! Und dabei ist es egal, ob sich die Mitarbeit nur auf das Bestätigen eines Fehlers à la Bei mir geht’s auch nicht! beschränkt, oder ob gleich ein neues umfangreiches Projekt aus der Taufe gehoben werden soll.

Übrigens: Ich benutze Linux, weil es mich auch tatsächlich wie einen erfahrenen Nutzer behandelt, ich selbst entscheiden kann, was installiert wird, und ich jede installierte Software auch wieder restlos entfernen kann (was die bei Windows übliche Neuinstallation nach spätestens zwei Jahren intensiver Arbeit überflüssig macht).

Welches Betriebssystem benutzt ihr und warum?

Comments on this entry are closed.

  • Jean Pierre 18. Februar 2006, 12:08

    Ich habe mich früher mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, als mein Bruder Linux auf unserem Desktop-PC installieren wollte (ich glaube, das war damals noch SuSE 6.2 oder so).

    Erst zu Beginn des Studiums bin ich dann “richtig” mit Linux in Kontakt gekommen und nutze seither Windows nur noch zum Spielen. Nach einigen Distributions-Selbstversuchen mit Redhat/Fedora, Debian, SuSE, Gentoo bin ich letztendlich bei Ubuntu hängen geblieben.

    Im Moment arbeite ich aber hauptsächlich und furchtbar gerne mit OS X an meinem Powerbook. Linux auf PowerPC ist leider quälend langsam und die Shell, mit der ich im BSD-Subsystem von OS X bzw. auf der Kommandozeile rumfuhrwerken kann, ist auch bei OS X nur einen Klick weit weg.

  • André 18. Februar 2006, 22:49

    Mir ist erst später aufgefallen, dass ich überhaupt nicht auf Mac OS eingegangen bin. Egal, letztendlich steht Linux hier nur für die bewusste Entscheidung für ein Betriebssystem (wie auch der CCC empfiehlt, http://dasalte.ccc.de/faq/os).