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Lehrreicher Messe-Besuch

Mein letzter CeBIT-Besuch liegt schon eine Weile zurück. Damals haben wir uns zu viert in einen Golf II gezwängt, um vier Stunden später auf dem Messegelände in Hannover lauthals “Linux” auf dem Microsoft-Stand zu rufen und uns mit allerlei nutzlosem Mist einzudecken — warum Siemens zu der Zeit weiße Kunststoff-Gießkannen als Merchandise verteilt hat, ist mir bis heute ein Rätsel. Wir dachten, wir wären cool.

Dieses Jahr also als Fachbesucher, mit Schlips und Kragen. Mein derzeitiger Arbeitgeber sucht kommerzielle Unterstützung bei der Überwachung von Produktion und Anlagen, und ich sollte als Software-Spezialist dabei sein.

Sieben Dinge, die ich auf der diesjährigen CeBIT gelernt habe:

  1. Man sollte wissen, wen oder was man sucht.
  2. Vertriebsangestellte werden niemals zugeben, dass die Software aus ihrem Haus irgendetwas nicht kann.
  3. Nur Lenovo bietet optimale Face-to-Face-Beratung auf der Messe. Wozu sind die anderen eigentlich da?
  4. Ein reines ERP-System bietet nicht die Traceability beim Manufacturing wie etwa ein MDE/BDE-System. Klar?
  5. Wenn du Fertigungsprozesse meinst, sag das auch. Jeder “Prozess”, dem nicht unmittelbar ein “Fertigungs-” vorangeht, wird automatisch zum Geschäftsprozess gemacht. Von allen Ausstellern.
  6. Angestellte großer Konzerne tun sich schwer, innerhalb von zehn Minuten den richtigen Ansprechpartner zu finden. (Die sollten an ihrer Employee Traceability arbeiten…). Wenn man nicht aufpasst, zeigen sie dir in der Zwischenzeit irgendetwas.
  7. Anbieter mobiler Telekommunikation mieten keine Stände, sondern Hallen.

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  • hirschgarten 18. März 2006, 17:54

    Ich halte es bis heute für cool, am Windows-Stand “Linux” zu rufen. Das verleiht dem zuweilen doch etwas spröde wirkenden IT-Business eine Aura feiner Ironie.

    Und waren die Gießkannen nicht grün?

  • SCHAPPY 18. März 2006, 19:36

    Ich würde gern achtens, neuntens und zehntens zur Liste hinzufügen.

    8. Wenn man Informationen am Messestand erwartet, sollte man auf die T-Shirt-Hierarchie achten. Jeder mit grellen vom Standard abweichenden Shirts ist nur angeworbener Promoter oder Messe-Hostesse und hat nicht mehr Sachverstand als ein durchschnittlicher Computer-Bild-Leser. Die deutliche Minderheit der Mitarbeiter am Stand trägt die korrekten Shirts und haben dann meist auch Weisungsbefugnis den Richtigen oder die Richtige ausfindig zu machen. Existieren keine unterschiedlichen Shirts, so gibt es kein Fachpersonal an diesem Stand.

    9. Meide die _internationale Halle_, die aus diversen ausländischen Ausstellern besteht, die selber nicht wissen, wieso sie dort stehen und im besten Fall in ihren zwei Quadratmetern einen Rechner haben, auf dem sie sich den Koran durchlesen. (Das stellt keine Kritik am Koran dar, spiegelt lediglich einen erlebten Sachverhalt wider!)

    10. Schlechtes Wetter außerhalb der Messehalle führt zu deutlich weniger Besuchern. Hebt bedauerlicherweise auch den Teil der agressiven privaten Messebesucher, die die deutlich überteuerten Eintrittspreise in Höhe von 38 EUR durch sinnfremde Gimmicks wieder hereinwirtschaften wollen.

  • André 20. März 2006, 21:05

    Ich geb zu, “Linux”-Rufe auf dem Microsoft-Stand entbehren nicht einer gewissen Ironie, die die Branche wirklich dringend nötig hat. Ich hab’s dieses Jahr trotzdem nicht gemacht—mit Schlips und Kragen wär das wirklich ein bisschen albern.

    Schappy, danke für die Zusatz-Punkte! Ich glaube, ich hatte einfach zu wenig Zeit, um den Rest zu beobachten.