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Großes Kino im kleinen Kino

Wer so genannte Experimental-Filme mag oder einfach nur ein etwas anderes Film-Erlebnis sucht, sollte sich Tarnation anschauen. Die mit 218 Dollar Produktionskosten bezifferte Montage aus Homevideos und Fotos zeichnet ein beeindruckendes und gleichzeitig beklemmendes Familienporträt.

Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Und so dauert es eine Weile, bis man sich an Tempo und Erzählweise gewöhnt. Vor allem, wenn man sich am Abend zuvor den hollywoodmäßig durchgestylten Blockbuster Flightplan samt “Making of” angeschaut (und gemocht) hat. Eine halbe Stunde “Tarnation” und man beginnt sich zu fragen “Bin ich doch ein Mainstream-Filmfan?” Kein erkennbarer roter Faden, keine Geschichte. Nur Bruchstücke, Erinnerungen an eine kaputte Kindheit.

Doch langsam setzt sich aus den Schnipseln wie aus dem Nichts ein vollständiges Bild zusammen — aller Zeitsprünge und scheinbarer Zusammenhanglosigkeit zum Trotz. Im Mittelpunkt steht der junge Filmemacher Jonathan Caouette und seine manisch-depressive Mutter. Alles irgendwo zwischen Pflegefamilien, Drogenkonsum und Therapien.

Letztlich kommt der Film ohne großes Finale aus, auch wenn ein Generationenkonflikt immer deutlicher wird. Drängenden Fragen wird ausgewichen, so gut es geht. Die Art des Films ist genial und passt in keine Schublade. Soll auch nicht. Man hat das Gefühl, ständiger Beobachter zu sein — auch und gerade bei Familienangelegenheiten, die eigentlich niemanden etwas angehen.

Hinterher ist man nur froh, in einer intakten Familie aufgewachsen zu sein.

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  • schmidt 18. Mai 2006, 12:30

    *Off-Topic*

    Sag mal, sind die Fähnchen vor den Kommentatoren schon ein Vorgeschmack auf die WM oder eine neue Form des Nationalismus? Wieviele Mitglieder, die nicht Deutsche sind, hast du denn, damit die Markierung auch Sinn macht?

  • André 18. Mai 2006, 13:54

    Gute Frage, geh mal zu http://www.wendtswelt.de/kurznotiert/kommentare/neuorientierung/

    und schau dir die Vielfalt an Flaggen bei den Kommentaren an! Mit mehreren Freunden im Ausland macht sich das gut. Jetzt ist es mehr zur Auflockerung — die meisten sind ja schließlich zurück. Dafür sind hier eben keine runden Ecken.

    Ich weiß nicht genau, ob es die Fahnen ins Tippspiel schaffen — so richtig gefällt mir das alles nicht!