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Ankunft in Ronneby

Die Dame hinter dem Schalter hatte meinen Koffer unglaubwürdig angesehen. Am liebsten hätte ich sie beruhigt, dass er wirklich 34 Kilo wiegt — also 14 Kilo Übergepäck. Sie tat mir einen Gefallen (glaubte sie) und berechnete nur neun. Was den Ticketpreis für mich verdoppelte. Aber ich musste ja eh alles mitnehmen.

Das war am Zentralflughafen Tempelhof, auf dem man es sich leisten kann, auf jeden Gast einzeln zu warten — auch wenn meine Reservierung etwas anderes sagte. Viele waren wir jedenfalls nicht im Flieger. Zwischenstopp Kopenhagen, Gepäck vom Band genommen und weiter Richtung Zug. Die Anzeige gab als Ziel zwar Kristianstad an, aber schon in Malmö wurde ich von einem Mann in Warnweste in einen anderen Waggon verfrachtet — anscheinend wird der Zug hier geteilt.

In Kristianstad warteten drei Busse auf Fahrgäste. Nach einer guten Stunde Fahrt war ich in Ronneby. Andreas holte mich netterweise von der Haltestelle ab und bereitete mich schon auf einen Anstieg vor, weil sich das Wohnheim dem gefühlten höchsten Berg Schwedens befindet. Die Anlage ist wenig einladend: Bierdosen verdecken den Blick auf Grashalme, ein zerbrochenes Sofa ist vor einem Rest verkohlten Irgendwas aufgebaut. Fehlen nur die brennenden Mülltonnen…

Kurz darauf hatte ich einen Schlüssel für mein Zimmer im letzten Haus, und es hätte mich sicherlich schlimmer treffen können: Im Badezimmer müffelt es etwas und die Matratze sieht total versifft aus, aber sonst ist das schon in Ordnung für ein halbes Jahr. Nur gibt es hier leider weder Küchenutensilien noch ein Kopfkissen! Vielleicht in der Gemeinschaftsküche nebenan…

Die üblichen Behördengänge sind für deutsche Studenten sicher nichts Besonderes. Alle (International Office, Bibliothek, Studenten-Vertretung) wollen besucht werden, mindestens zwei Formulare ausgefüllt wissen und Plastikkarten verteilen. In der Bibliothek nutze ich nun meine PUCK von zu Hause, das ist bequemer.

Der Internetzugang ließ ein wenig auf sich warten, denn dafür brauche ich die Freischaltung durch den Gnom meines Vertrauens (local gnome auf offizieller Seite), der erst nach Registrierung tätig wird, wofür man wiederum einen Universitäts-Zugang benötigt, den ich gestern noch nicht hatte.

Ach ja, und für die Zahlung mit VISA-Karte ist hier die Eingabe einer PIN erforderlich. Wer sie wie ich (nicht zu Hause, sondern ganz) vergessen hat, muss bar bezahlen.

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  • SCHAPPY 25. August 2006, 00:21

    Gut zu hören, dass Du heil in Deinem Heim für die kommenden Monate angekommen bist. Auch wenn alles ein wenig stressig gewesen sein dürfte, den Großteil desselbigen dürftest Du damit hinter Dir gelassen haben. Nun kannst Du Dich freuen und die doofen Deutschen hinter Dir lassen. Oder bist Du der Meinung, dass irgendjemand in Ronneby ein unauffälliger ausländischer Student sein könnte, der umständliches planen könnte—Internet abschalten, Brot verbieten. Flugzeuge, Bahnhöfe, Züge, etc. abschaffen. Zentrale Menschenansammlungen vermeiden—in einem Land, das etwa 5/4 so groß ist, wie Deutschland, das jedoch lediglich durch 10% der deutschen Bevölkerungszahl beherbergt—nicht allzu schwer. Zuviel einheitliche Religion—Schwarmaler. Keine Gefahr durch Verkehrsunfälle, zu wenig Verkehr. Ruhe! Natur und kühle Sachlichkeit. Erblickt der Betrachter die wirkliche Schönheit erst auf den zweiten Blick?

    Ganz in diesem Sinn, ich wünsche Dir viel Spass in diesem _schönen Land_—wie gerne würde ich jetzt in Schweden sein, weil jeder Schwede lacht und singt… alter Schwede—und noch einer: Schwedische Gardinen, denk mal drüber nach :)