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WendtsWeltwunder

Wieso ziehen eigentlich die vielleicht wichtigsten Kulturnachrichten immer (fast) an mir vorbei? Heise hat heute erinnert, dass die weltweite Abstimmung über die sieben neuen Weltwunder nächste Woche ausläuft.

Warum ist das so wichtig? Die Weltwunder haben die Menschheit über 2000 Jahre inspiriert. Dieses Mal werden sie uns nicht aufdiktiert, sondern wir können für unsere Favoriten abstimmen! Was sollen unsere Nachfahren denken, wenn wir unseren Kindern und Enkeln erzählen, wir hätten darüber abstimmen können, haben das aber nicht getan? Vielleicht inspiriert unsere Wahl ja genauso für die nächsten 2000 Jahre. Meine Wahl fiel also auf:

Nach der Abstimmung strahlt einem ein erhebendes You have just become part of history in the making of the New7Wonders of the World entgegen. Also: Trefft Eure Wahl, macht mit und werdet ein Teil der Menschheitsgeschichte. Oder auch nur eine(r) unter Millionen.

Am 07.07.07 wird das Ergebnis verkündet.

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  • hirschgarten 1. September 2006, 18:57

    Interessante Sache, werde auch gleich noch abstimmen. Allerdings wollte ich vorher noch, nicht ohne die mir eigene leichte Ironie, fragen, wer dir denn jemals die sieben (antiken) Weltwunder “aufdiktiert” hat (und dabei gnädigerweise die Frage weglassen, ob du sie denn rezitieren könnest. Ich übrigens nicht. Vielleicht hätte man sie mir mal (auf)diktieren sollen im Tutorium Alte Geschichte). Diese hatten sich in der Antike einfach als Kanon der größten Bauten etabliert, und es sagt etwas über die Größe der Bauten aus, nicht über die Art der Überlieferung, daß sie uns immer noch als Weltwunder gelten…

  • André 1. September 2006, 23:18

    Da die Frage nun gestellt ist: Anders als sein berühmter Vorgänger, der griechische Philosoph Philon von Byzanz, will er allerdings den Erdenbürgern ihre neuen Wunder nicht von oben herab diktieren. Philon hatte im Jahr 200 v. Chr. [..] zu Weltwundern ernannt. (http://www.heise.de/newsticker/meldung/9858)

    Ja, das hab ich einfach so übernommen. Nein, ich habe nicht daran gedacht, dass ich studierte Historiker in meinem Freundeskreis hab. Und nein, mir persönlich hat natürlich niemand was aufdiktiert…

    Danke fürs kritische Nachfragen!

  • hirschgarten 2. September 2006, 00:13

    Hm. Sollte garnicht mal kritisch sein. Selbst wenn Philon die sieben antiken Weltwunder definiert haben sollte (man liest auch, daß die Liste durchaus auch auf Herodot, 5. Jh. v. Chr., zurückgeht), ist das ja kein Grund zu sagen, er hätte sie uns “aufdiktiert”, nur weil der Kanon, den er etabliert hat, bis heute erhalten geblieben ist (auch wenn die meisten Menschen vermutlich nur vier Weltwunder oder so zusammenkriegen). Das liegt nicht daran, daß Philon, den im Übrigen heute wohl kaum jamend noch kennen wird (ich nicht), sie aufgeschrieben, also diktiert hat, sondern daran, daß sie eben so großartig sind bzw. waren, daß es eben keinen Grund gab, an diesem Kanon was zu ändern.

    Meine “modernen” Favoriten sind übrigens die Akropolis, der Eiffelturm, die Große Mauer, die Osterinseln, die Hagia Sophia, Angkor Wat und der Taj Mahal…

  • André 2. September 2006, 11:49

    Der Kanon war damals vielleicht aber auch nur deshalb so groß, weil niemand von größeren Bauten wusste. Nehmen wir an, irgendwo auf Feuerland [synonym für wahnsinnig weit weg von Herodot] hat eine Statue gestanden, die dreimal so groß war wie der Koloss von Rhodos — wenn das denn geht auf Feuerland. Bevor die jemand entdeckt hat, ist sie allerdings in sich zusammengefallen und ins Meer gestürzt.

    Insofern war es aber schon aufdiktiert. Oder glaubst du ernsthaft, es hätte Herodot interessiert, wenn ich zu ihm gegangen wär und gesagt hätte Deine Liste in allen Ehren, aber da gibt es eine Statue auf Feuerland…? Heute jedenfalls hätte ich Vorschläge einreichen können (zumindest noch letztes Jahr).

    Ich jedenfalls hätte nicht mal vier zusammenbekommen. Nach den Gärten, den Pyramiden und dem Koloss wär Schluss gewesen.

  • hirschgarten 2. September 2006, 14:20

    Du verstehst mich miß. Aufschreiben ist ja nicht gleichbedeutend mit aufdiktieren. Daß dieser Kanon bis heute Bestand hat, hängt damit zusammen, daß die antike Kultur noch immer in vielfältiger Weise (kulturell, politisch, werttheoretisch) nachwirkt, nicht damit, daß irgendjemand seine Mitmenschen und die Nachwelt dazu bringen will, an sieben bestimmte Weltwunder zu glauben.

    Und der Vergleich mit Feuerland mutet etwas seltsam an. Was ich nicht kenne, kann ich auch nicht aufschreiben geschweigedenn darüber urteilen. Und selbst wenn man die Geschichte weiterspinnt und sagt, da wäre also ein Feuerländer zu Herodot gekommen und hätte gesagt, unsere Hängenden Gärten sind viel schöner, dann wäre Herodot, dem große Neugier nachgesagt wird, vermutlich nach Feuerland gefahren und hätte dann unter Umständen die Hängenden Gärten von Feuerland und nicht die von Babylon in seine Liste aufgenommen. Oder nicht. Weiß man nicht. Tatsache ist, daß es deine Sache ist, woran du glaubst, und woran du glaubst, hängt davon ab, wovon du weißt. Das wiederum ist abhängig davon, in welcher kulturellen Tradition du großgeworden bist. Das ist bei uns nunmal die christlich-antike. Insofern bist du tatsächlich nicht ganz frei in deiner Weltwunder-Wahl. Aber deswegen hat sie dir noch lange keiner aufdiktiert. Daß es diese Liste (immer noch) gibt, daran haben weder Herodot noch Philon Schuld, sondern unsere Tradition und unser äthetisches Empfinden.

  • Perk 25. Juni 2007, 15:17

    Nachdem sich nun auch mein Minister (Glos) als Schirmherr bzw. Unterstützer der Aktion (zumindest was das Schloss Neuschwanstein in seinem geliebten Bayern betrifft) geoutet hat, konnte ich das ganze Unterfangen auch nicht mehr ignorieren. :-) Noch knapp zwei Wochen läuft die Aktion – Stimmabgabe ist nachwievor möglich und selbst ein deutsches Bauwunder ist noch im Rennen der letzten 20 um die begehrten 7 Podiumsplätze. Mitmachen lohnt sich – ein Trikot von Christiano Ronaldo ist doch ein toller Preis, oder?! ;-I

  • Perk 10. Juli 2007, 13:00

    So, nun ist die Entscheidung gefallen – Neuschwanstein ist nicht eins der neuen sieben Weltwunder geworden. Da waren dann doch einige Bauwerke beeindruckender (Machu Picchu, Petra) und vor allem in stimmgewaltigeren Ländern (Chinesische Mauer) gelegen als das Märchenschloss König Ludwig II. in Bayern. Gut, Europa hat ja jetzt ein Weltwunder mit dem total kaputten Kolosseum in Rom. Und vielleicht ist es auch nicht so verkehrt, dass Deutschland kein Weltwunder hat. Hat uns noch nie gut getan soetwas. Kleines Trostpflaster: Es gibt Stimmen (Bayer. Rundfunk), die behaupten, “wir” seien an achter Stelle gelandet. Doch ein Achtungserfolg! So oder so bleibt die Weltwunderstory ein Märchen für Neuschwanstein – wie passend für ein Märchenschloss.

  • André 10. Juli 2007, 13:40

    Danke für die Zusammenfassung, Perk. Hatte überlegt, ob ich noch einen Artikel zur Nachbereitung schreibe, aber das brauche ich nun nicht.

    Die Unesco hat sich übrigens ziemlich deutlich von der ganzen Aktion distanziert, siehe http://tinyurl.com/22tuud

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