≡ Menu

Mann, wie ich den Kalten Krieg vermisse

Also ein neuer Bond — mal wieder. Ich gebe zu, als gestandener James-Bond-Fan haben es neue Darsteller bei mir schwer. Das war schon mit Pierce Brosnan 1995 so, inzwischen würde ich GoldenEye aber zu den fünf besten Bond-Filmen zählen. Und nun also Craig David Daniel Craig.

Spoiler-Warnung: Details zur Film-Handlung folgen

Casino Royale hat eine weitgehend zeitlose Story, die wesentlich weniger an den Haaren herbeigezogen erscheint als bei den letzten drei Streifen. Damit lässt sich die Handlung, die chronologisch gesehen eigentlich die Reihe einleiten soll, ohne Weiteres in die Gegenwart übertragen. Bond-typisch sind auch die Schauplätze: Prag, Bahamas, Venedig, Comer See.

Nichtsdestotrotz gibt es auch einiges auszusetzen: Der Trend zu noch mehr Action und vor allem Gewalt wird auch bei diesem Film fortgesetzt, was unter anderem zu ziemlich detaillierten Folter-Szenen führt. Das dürfte die Altersfreigabe (ab 12 Jahren) der FSK einmal mehr in die Kritik bringen. Seit 2003 dürfen Filme mit dieser Freigabe immerhin auch für Kinder ab 6 in Begleitung der Eltern gesehen werden, was meiner Meinung nach gelinde gesagt Verbesserung bedarf!

Auch sonst hat sich der Film weiter von der Original-Reihe entfernt: Die in den Originalen noch meist zentrale Rolle des Autos wird mittlerweile auf einminütige Verfolgungsjagden mit anschließendem Crash zurechtgestutzt, und der eingebaute Dephib Defibrila Defibrillator für lebensrettende Maßnahmen kommt einfach nur lächerlich daher. Und überhaupt: Wo ist R? Stattdessen werden ein paar charakterlose Leute vor Computer-Bildschirmen gezeigt, die auf elektromagnetische Hilferuf-Wellen von Bond reagieren.

Die Rolle der Frauen in den Filmen wird seit Pierce Brosnan zeitgemäßg umgesetzt, so auch in Casino Royale, wie es sich für das 21. Jahrhundert gehört. Miss Moneypenny sollte damit (hoffentlich) der Vergangenheit angehören; die Figur passt einfach nicht mehr.

Judi Dench gibt sich als M wie immer resolut, menschlich und fair. Daniel Craig verleiht Bond wie bereits alle seine Vorgänger eine eigene Note, die eine überraschende, positive Mischung aus Sean Connery (rau, kantig) und Pierce Brosnan (körperlich verletzlich) ist. Der Humor kommt dabei leider zu kurz — ein Lächeln scheint man Craig buchstäblich nur unter Folter entlocken zu können. Mads Mikkelsen verkörpert einen aalglatten, unsympathischen und glaubwürdigen Schurken. Ever Eva Green ist das perfekte Bond-Girl: Sie gibt an den richtigen Stellen Kontra, sieht gut aus (im Bademantel und ungeschminkt besser als im restlichen Film) und erliegt erwartungsgemäß Bonds Charme.

Ein insgesamt guter Film, auch wenn man in Punkte Action und Härte einen Gang zurückschalten könnte. Auf jeden Fall freue ich mich jetzt auf den nächsten Bond-Film. Schade nur, dass der wahrscheinlich nicht mehr im passendsten Jahr überhaupt in die Kinos kommen wird: 2007.

Comments on this entry are closed.