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Shut up and sing!

Wer im Rampenlicht steht, sollte sich gut überlegen, ob er seine Meinung auch wirklich öffentlich vertreten will. Diese Erfahrung musste die Country-Band Dixie Chicks Anfang 2003 machen. Und diese Erfahrung wurde in dem Film Dixie Chicks: Shut up & sing dokumentiert.

Was war passiert? Gute eine Woche vor Beginn des Irak-Kriegs hatte Sängerin Natalie Maines beim Konzert in London vor jubelndem Publikum verkündet, die Band sei beschämt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten [ebenso wie die Künstlerinnen, Anm. d. Verf.] aus Texas stamme. In Folge dessen lief die konservative Anhängerschaft in der Heimat Sturm. Fans beschimpften die Sängerinnen als Vaterlandsverräter, entsorgten öffentlich ihre CDs und schickten Morddrohungen. Country-Radiosender spielten die Band wegen anhaltender Boykottdrohungen der Hörer nicht mehr.

Der Film dokumentiert eindrucksvoll den Karriereknick der erfolgreichsten Frauenband aller Zeiten, angefangen bei Powells Rede vor dem UN-Sicherheitsrat über die abartig bedingungslose Loyalität der Konservativen bis hin zum musikalischen Richtungswechsel. Ein Prozess, der sich insgesamt über drei Jahre hinzieht.

Der Film versucht dabei so wertungsfrei wie möglich rüberzukommen: Keine Stimme aus dem Off, keine herkömmlichen Interviews. Man hat das Gefühl, immer dabei zu sein. Über allem steht die Frage, ob man sich im Land der Freiheit wirklich seine eigene Meinung leisten darf. Das Erschütternde ist nicht so sehr, dass so viele Menschen an Bush und seine Politik glauben, sondern dass Bürger so überzeugt davon sein können, das Richtige zu glauben und alle Andersdenkenden als dumm hinzustellen, weil sie ja keine Ahnung haben.

Die Dixie Chicks haben sich scheinbar nie richtig von der Hetzkampagne und ihrer Unverhältnismäßigkeit erholt. Freie Meinungsäußerung ist gut, aber scheinbar nicht vor Publikum.

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