≡ Menu

Bitte nicht aus dem Fenster lehnen

Manche sind wirklich mutig: Die Süddeutsche (jene Zeitung, die seit fast einem Jahr [sic!] eine Kommentarfunktion für Leser bietet und dafür am Montag Öffnungszeiten verhängt hat) glaubt, das Internet verstanden zu haben und blickt nun auf den Pöbel herab.

Diese Formen [der Beteiligung und der Berichterstattung] werden von engagierten Zeitgenossen genutzt, weil sie — sei es aus Idealismus, sei es, weil sie sonst keine Beschäftigung haben — eine Rolle in der allgemeinen Informationsbildung übernehmen wollen.

Darüber könnte man sich jetzt aufregen, aber das nutzt nichts. Außerdem hat sich Telepolis damit eingehend beschäftigt. Als engagierte Netznutzer wissen wir: Natürlich ist viel Rauschen im Internetsignal, sonst wären Projekte wie StupidFilter überflüssig. Aber dazwischen ist Qualität zu finden, auch und gerade abseits der Internetportale der Zeitungen.

Dort wird aber lieber über einen Kamm geschert. Das sagt schon einiges aus über die Fähigkeit zur Differenzierung einiger Journalisten. Viel schlimmer noch ist das falsche Selbstbild:

Sie [alle publizierenden Internetnutzer außerhalb der Journalisten] zerfleddern — wie es gerne auch wir Zeitungsmenschen tun — jedes Thema. Sie tun dies aber oft anonym und noch öfter von keiner Sachkenntnis getrübt.

Hier wird es interessant. Qualitätsjournalismus der alten Medien? Nicht, wenn ich mir die Berichterstattung über einen Vortrag zum OLPC am HPI und die dadurch entstehenden Mythen anschaue. (Um nur einige richtigzustellen: Der Laptop wurde nicht am HPI entwickelt. Referenten am HPI sind nicht automatisch dort Professoren. Vielmehr ist es so, dass es persönliche Kontakte zwischen Entwicklern und dem Lehrstuhl für Softwarearchitektur am HPI gibt. Deshalb und wegen einiger Lehrveranstaltungen, in deren Verlauf Spiele für den Laptop entwickelt wurden, fand der Vortrag am HPI statt.)

Ich habe keinen Grund zu der Annahme, dass es mit der Qualität des Journalismus auf anderen, mir unbekannten Gebieten besser aussieht — warum auch? Aber solche Schlampereien sind der Süddeutschen sicherlich völlig fremd.

Comments on this entry are closed.