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Quartalslektüre, Teil IV

Allen Lesern wünsche ich ein frohes neues Jahr und freue mich auf ein ereignisreiches Jahr 2008. Damit endet ein guter Vorsatz mit der Gewissheit und dem guten Gefühl, im letzten Jahr 14 Bücher gelesen zu haben.

Callisto oder Die Kunst des Rasenmähens von Torsten Krol
Der Klappentext versprach den bissigsten, wahrhaftigsten und tragikomischsten Roman über Amerika seit der Erfindung des Heimatschutzministeriums. So viele Superlative verdient das Buch nicht. Tatsächlich erlebt Protagonist Odell einiges in Callisto, KS, obwohl er ursprünglich nur auf Durchreise war — und wird schließlich in ein Komplott verstrickt. Seine schon anstrengende Naivität zieht sich hin und ist wenig glaubwürdig. Das Buch ist aus seiner Perspektive geschrieben und damit gewöhnungsbedürftig. Stellenweise drängt sich der Vergleich mit Adventure-Computerspiele mit ihren geskripten Handlungsschnipseln geradezu auf: ein Fremder spendiert ein Handy—das Handy klingelt irgendwann, der Anrufer beordert Odell nach X—dort wird ihm das Auto geklaut. Das Buch bedient ordentlich Klischees, lässt kein gutes Haar an Amerika und bietet sogar ein verstörendes Guantánamo-Kapitel.

Beim Epilog wird schlagartig klar, warum der Autor unter Synonym schreibt und gut daran tut, anonym zu bleiben. Das Ende dürfte die Leser polarisieren. Ich jedenfalls mochte das Buch gerade wegen des überraschenden Endes.
Steve Jobs und die Geschichte von Apple von Jeffrey Young und William L. Simon
Steve Jobs fasziniert durch seine Ausstrahlung und seinen Produkt-Geschmack, mit dem er seit über 20 Jahren die Computer-Branche prägt. Seine Produkte degradieren die anderen zu langweiligem, kompliziertem Mist und man fragt sich, wie andere Firmen wie Microsoft Marktführer sein können. Auf der anderen Seite fragt man sich, wie His Steveness es geschafft hat, dass Leute immer noch gern für ihn arbeiten. Ein knickriger, arroganter Mikromanager kann nicht unumstritten sein. Die Geschichte von Jobs und Apple erzählen zu wollen, hat durchaus seine Berechtigung. Den Leser dabei mit dermaßen vielen Namen und Anekdoten zu bombardieren, deren Zusammenhänge erst ein Kapitel später klar werden, allerdings nicht.
Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv. Eine Vermessung. von Harald Schmidt
Die FOCUS-Kolumnen sind hier in einem Buch zusammengestellt — unter einem merkwürdigen Titel, der sich aber schon beim Vorwort erschließt. Die Beiträge sind thematisch geordnet, wobei die Familienpolitik der schwächste Teil ist. Kurzweilig, amüsant und bitterböse.
Boxhagener Platz von Torsten Schulz
Kann es etwas Besseres geben als ein kleines, aber feines, witziges und spannendes Buch, das in der eigenen Wohngegend spielt? Wohl kaum!

Ob ich diese Serie weiterführe, weiß ich allerdings noch nicht.

Aktualisierung: Harald Schmidts Kolumnen vergessen (ich wusste, da war noch was). Damit sind es 15 Bücher.

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  • Perk 13. März 2008, 17:00

    “Dem Jakob ist sein Genitiv der Sexweg” fand ich auch sehr witzig, bissig und treffend zugleich. Empfehlenswerte satirische Lektüre!