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5 Dinge über Cloud Computing, die man wissen sollte

Foto: For big party

Foto: Shack Party von davef3138 (Lizenz: CC-BY-SA)

Wäre es nicht abwegig, zu zweit in einem Riesen-Haus mit 10 Zimmern zu wohnen, nur um ab und zu eine große Party zu feiern?

Da wäre es doch viel besser, bei Bedarf einfach die freien Kapazitäten in den umliegenden Wohnungen nutzen zu können.

Nur — machen das die Nachbarn mit?

In der IT sieht das anders aus: Hier können freie Kapazitäten viel flexibler genutzt werde, indem sie über ein Netzwerk bereitgestellt und nach Verbrauch abgerechnet werden.

Das ist Cloud Computing.

Der Vorteil davon liegt auf der Hand: Man kann flexibler auf geplante und ungeplante Ereignisse reagieren. Etwa wenn das Weihnachtsgeschäft bei einem großen Online-Shop ansteht. Oder wenn eine Aschewolke Tausende hilfesuchende Flugreisende plötzlich auf die Website treibt. Eine spontane Party sozusagen.

Für beide Fälle kann man aus finanziellen Gründen unmöglich das ganze Jahr Überkapazitäten vorhalten. Die Idee des Cloud Computing ist zwar nicht neu, kommt jetzt aber langsam in Fahrt und wird in der Branche immer stärker beworben.

Ist das nicht nur ein vorübergehender Trend?

Das glaube ich nicht, und zwar aus zweierlei Gründen.

Zum einen macht Cloud Computing wirtschaftlich Sinn. Das zeigt allein schon die Tatsache, dass die Cloud von Amazon aus der Notwendigkeit entstanden ist, im eigenen Shop mit Lastspitzen umgehen zu können. Natürlich lässt sich diese Rechnung nicht ohne Weiteres auf andere Unternehmen oder Privatanwender übertragen.

Die Geschichte und der Erfolg hinter Amazons Cloud unterstreicht aber, dass es sich nicht nur um eine Erfindung cleverer Marketing-Leute handelt.

Zum anderen stellen die technischen Konzepte durchweg Wert für den Kunden dar — sei es durch Flexibilisierung, schnellere Bereitstellung oder höhere Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit.

Deshalb ist Cloud Computing nicht als vorübergehender Trend zu sehen.

Das ist doch nur für Unternehmen relevant, oder?

Klar — wenn man als Endanwender auf diese Vorteile verzichten möchte:

  • Kostenvorteile, die an mich weitergegeben werden
  • Robuste Dienste
  • Flexible Nutzung ohne willkürliche Obergrenzen und mit fairem Bezahlmodell (nach „Verbrauch“)
  • Zugriff auf (journalistische) Informationen, die sonst gar nicht verfügbar gewesen wären
  • Zugriff auf Systeme, deren Einrichtung oder Betrieb Spezialwissen oder einen erheblichen Zeitaufwand erfordern

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Wer sagt, dass Cloud Computing „im Prinzip nichts Neues“ ist, lässt vor allem technische Aspekte außer Acht.

Technisch muss man umdenken, was in vielen Fällen zum richtigen Ansatz führt: Der Kaputt-Zustand wird langsam als normal angesehen, und Anwendungen werden um dieses Szenario herum entworfen. (Mal ehrlich: die allgemeine Wahrnehmung von Computern im Alltag ist doch eher, dass ihr Funktionieren reiner Zufall ist, oder?)

Das fängt schon damit an, dass die Einrichtung von Servern automatisiert wird. Vorbei die Tage, dass der eine einmal eingerichtete Server unter keinen Umständen mehr angefasst werden darf — wer weiß, was dann alles nicht mehr funktioniert? Zudem dokumentiert die Automatisierung, wie man zum aktuellen Stand überhaupt gekommen ist. Das ist den automatisierten Tests durchaus ähnlich.

Außerdem wenden Anbieter einige Zeit auf, um Systeme immun gegen (kurzzeitige) Defekte einzelner Bestandteile und damit robuster zu machen.

Aus technischer Sicht fühlt sich Cloud Computing vielfach richtig an, vor allem beim Betrieb. Man kann sich nicht vorstellen, die Anwendung mal anders betrieben zu haben.

Und das merkt man (hoffentlich) auch bei der Benutzung.

Löst Cloud Computing nun alle Probleme?

Zunächst mal löst Cloud Computing überhaupt keine Probleme. Daher sollte man auch nicht sofort begeistert sein, nur weil ein Dienst mit dem Hinweis „in der Cloud“ beworben wird. Hier stellt sich eher die Frage nach dem Nutzen: Unternehmen sollten glaubhaft machen können, warum sie Cloud Computing einsetzen und welcher Nutzen dabei für den Kunden besteht.

Außerdem sollte man sich gerade als Unternehmen immer wieder vor Augen halten, wie groß beim Cloud Computing die Abhängigkeit vom Anbieter werden kann: Amazon hat gerade eindrucksvoll bewiesen, dass auch ihre Cloud ausfallen kann.

Führt das nicht zu Kontrollverlust und Datenschutz-GAU?

In Deutschland wird der Datenschutz als hohes Gut angesehen, was durchaus als Standortnachteil gesehen wird. Hierzulande bringt Cloud Computing vor allem Datenschützer und Skeptiker auf den Plan.

Häufig ist dann die Rede von Kontrollverlust. Man wisse ja als Anwender beim Cloud Computing nicht mehr, wo die Daten gespeichert würden.

Das hat aber mit Cloud Computing nur bedingt zu tun, schließlich ist es ja nur ein technisches Konstrukt, um die Skalierung von Anwendungen zu erleichtern. Otto Normalverbraucher weiß als Anwender von Online-Anwendungen (ob nun cloud-basiert oder nicht) sowieso wenig darüber, auf welchen Servern Daten gespeichert werden.

Ausblick und Fazit

Cloud Computing als Marketing-Begriff wird über kurz oder lang wieder verschwinden, während die Technik im Hintergrund bestehen bleibt.

Die Erwartungen an die Verfügbarkeit von Anwendungen werden sich weiter erhöhen. Richtig eingesetzt birgt Cloud Computing hier durchaus Wettbewerbsvorteile.

Und Nutzer werden sich im Zweifel auf die Dienste konzentrieren, die auch mal ein paar mehr Partygäste aushalten.

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  • R. Hein 21. Oktober 2012, 22:07

    Sehr schöner Beitrag!