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Ganz vorn dabei: Erkenntnisse aus 2 Jahren Produktentwicklung

Foto: race von telmo32 (Lizenz: CC-BY-ND)

Worauf musst du achten, wenn du als Softwareentwickler durchstartest und nicht mehr einzuholen bist?

Wenn du dabei bist, die Software so grundlegend umzugestalten, dass kein Stein auf dem anderen bleibt?

Wenn du plötzlich und ungewollt dem ausgesetzt bist, was allgemein als Veränderungsmanagement bezeichnet wird?

Wenn du dir mindestens einmal in der Woche vornimmst, das Pinguin-Prinzip noch einmal zu lesen?

Druck von außen

In unserer konkreten Situation haben wir Entwickler drei „Kunden“:

  1. Consultants/Projektentwickler, die mit dem Produkt Projekte umsetzen wollen.
  2. Verkäufer, die den Kunden überzeugen wollen, dass das Produkt seine Anforderungen schon von Haus aus optimal abdeckt oder mit geringem Aufwand abdecken wird.
  3. Endkunden, die das Projekt bezahlen und einsehen sollten, dass ihre Wünsche auf die zur Verfügung stehende Funktionalität abgebildet werden müssen.

Dabei haben wir mit der ersten viel, mit der zweiten weniger und mit der dritten Gruppe so gut wie keinen direkten Kontakt. Entsprechend verteilt sind die Anfragen, die uns erreichen.

Hier sind meine Erkenntnisse aus den typischen Situationen, die sich daraus ergeben:

Zunächst einmal: Genieß den Augenblick

Produktentwicklung macht großen Spaß — nur selten hat man die Möglichkeit, sich praktisch fortwährend mit neuen Technologien beschäftigen.

Ausprobieren, evaluieren, umsetzen. So manches auf der grünen Wiese anfangen. Der Traum all jener Entwickler, die in den technischen Vorgaben von Kunden gefangen sind und zum Teil mit uralter Technik moderne Anforderungen umzusetzen versuchen. (Haltet durch, Jungs!)

Diese Arbeitsweise ist purer Luxus. Das sollte man unbedingt zu schätzen wissen.

Halte den Wissens-Vorsprung klein

Erkläre den anderen, warum Änderungen notwendig sind. Welchen Nutzen sie bringen. Stell dich darauf ein, das immer wieder erklären zu müssen.

Diese Kommunikation nach außen ist eine echte Gratwanderung. In technische Details zu verfallen kann genauso ins Auge gehen wie immer nur zu behaupten, es werde alles gut.

Achte darauf, das große Ganze dahinter richtig zu verkaufen: Um die gewünschte Adaption zu erwirken, müssen manche Ideen als radikaler Bruch vermarktet werden — auch wenn man im ersten Moment meint, dass kleine Änderungen besser verdaut werden können.

Teile deine Werkzeuge, Lösungen Erkenntnisse und Arbeitsweisen mit den anderen und schotte dich nicht ab. Nimm dir die Zeit, zwischendurch den aktuellen Stand oder kleine Nebenprodukte zu präsentieren.

Bekämpf die Gerüchte von Anfang an

Wer nicht in die Entwicklung involviert ist, neigt dazu, Annahmen auf Basis seiner Kenntnisse zu treffen.

So entstehen Gerüchte: Stimmt es, dass Feature X abgekündigt wird? Das wäre alles viel schneller gegangen, wenn… Und überhaupt — warum kümmert ihr euch nicht erstmal um die wichtigen Dinge?

Es ist unglaublich schwierig, Entscheidungen später zu rechtfertigen als andere früh darauf vorzubereiten und mitzunehmen. Wehe, wenn dann noch eine Sache nicht läuft wie geschmiert!

Hinterher ist bekanntlich, wenn man’s vorher gewusst hat.

Erschwerend kommt hinzu, dass man sich als Produktentwickler viel zu schnell an den Zustand gewöhnt hat, dass viele Dinge kaputt sind, deaktiviert oder gelöscht werden.

Wenn du das falsch kommunizierst, ist das guter Nährboden für weitere Gerüchte.

Sieh dich auch mal um

Auch wenn Umsetzung und Kommunikation nach außen einen Großteil des Tagesgeschäfts ausmachen — vergiss nicht, dass Feedback aus den Projekten überlebenswichtig für ein gutes Produkt ist.

Halt also die Ohren offen. Welche Lösungen sind im Einsatz? Was muss verbessert werden? Was wird gebraucht? Und viel wichtiger: Was kann wegfallen?

Gerade dieser letzte Punkt ist selten offensichtlich und wird oft nur zwischen den Zeilen erwähnt. Features zu streichen erfordert Mut auf der einen und Einsicht auf der anderen Seite.

Finde dein Tempo

Und zwischen all dem ist Software-Wartung vielleicht noch ein Thema.

Einfach mal einen ganzen Tag nur den Blick nach vorne richten? Vergiss es. Kontextwechsel sind an der Tagesordnung, wenn du dich auch noch um die aktuelle Version des Produkts kümmern, Fragen beantworten und Probleme untersuchen musst.

Daher ist es ratsam, sein eigenes Tempo zu finden, Anfragen zurückzustellen und stapelweise abzuarbeiten. Finde heraus, was für dich am besten passt, ohne die anderen vor den Kopf zu stoßen.

Kommunikation ist das A und O bei großen Veränderungen. Nimm die anderen mit.

Sonst haben sie schon keine Lust mehr, bevor ihr überhaupt fertig werdet.

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